Der Eieruhr-Effekt

Manchmal braucht es nur eine Uhr und ein gemeinsames Ei, damit Verbindung sichtbar wird.
In einem therapeutischen Workshop in einer Klinik baten wir Familien um eine scheinbar einfache Aufgabe: ein Ei einzuwickeln.
Das Ziel war nicht Effizienz, sondern Zusammenarbeit. Doch in den ersten Sessions waren viele Familien schon nach wenigen Minuten fertig und behandelten die Aufgabe wie einen Wettlauf. Ei eingewickelt, erledigt. Kein Austausch, kein Teilen, nur Aufgabenabschluss.
Also führten wir eine Regel ein: mindestens 20 Minuten Arbeitszeit.
Wer früher fertig war, musste einfach mit uns dasitzen und einander ansehen, bis die Zeit abgelaufen war. Dieses kleine Unbehagen brachte die Familien dazu, etwas anders zu machen. Sie wurden langsamer. Sie begannen zu reden. Sie fragten: „Wie sollten wir es deiner Meinung nach einwickeln?“ oder „Was ist deine Idee?“ Das Ei wurde zum Anlass für Verbindung, nicht nur zu einer Aufgabe, die erledigt werden musste.
Was veränderte sich? Alles.
Die Aufgabe selbst wurde nicht „besser“, aber die Energie veränderte sich. Blickkontakt, Lachen, Aushandeln, Geduld. Das Ei war noch da – doch nun war es in Gespräche gehüllt, nicht nur in Papier.
Unsere Erkenntnis?
Ziele lassen sich schnell erreichen. Doch bedeutsame Ziele – besonders die schwierigen – brauchen Menschen, die beieinanderbleiben. Und manchmal braucht es nur eine Uhr und ein gemeinsames Ei, um genau das sichtbar zu machen.
Mehr über unsere Arbeitsweise
- Entwicklungsreisen – nachhaltige Prozesse, in denen echte Veränderung mit der Zeit entstehen darf
- Erlebnisorientierte Teammeetings – begleitete Übungen, die zeigen, wie Teams wirklich miteinander umgehen
- So arbeiten wir – warum strukturierte Reflexion nachhaltige Veränderung antreibt